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Studentische Abschlussarbeit im INSIDE-Projekt fertiggestellt

04.08.2020

An der Bergischen Universität Wuppertal wurde eine studentische Abschlussarbeit im Rahmen des INSIDE-Projekts abgeschlossen. Die Arbeit von Johanna Pirsch beschäftigte sich mit der Wahrnehmung von bestimmten Handlungskonflikten von Lehrkräften im Kontext von Inklusion.

Im Alltag von Lehrkräften ist pädagogisches Handeln besonders dadurch gekennzeichnet, dass jede Handlung in einem Spannungsfeld aus widersprüchlichen Anforderungen liegt. Sollen beispielsweise alle Kinder einer Klasse nach den gleichen Regeln bewertet werden oder soll es für einige Kinder besondere Regeln geben? Sollen die Kinder möglichst intensiv bei der Bearbeitung einer Aufgabe betreut und angeleitet werden oder sollen sie die Möglichkeit haben, selbst auf den richtigen Lösungsweg zu kommen? Dies sind nur einige der Fragen, die Lehrkräfte im schulischen Alltag regelmäßig beantworten müssen.

Aus der Forschung ist bekannt, dass sich Lehrkräfte dabei manchmal hin- und hergerissen fühlen zwischen verschiedenen Anforderungen, die an sie gestellt werden. Diese Anforderungen und Ansprüche kommen von Kolleginnen und Kollegen, von Eltern, aus dem gesellschaftlichen und politischen Umfeld, von den Schülerinnen und Schüler und natürlich auch von ihnen selbst. Dieses Hin-und-hergerissen-Sein fassen wir als Handlungskonflikt auf. Dabei gibt es keine richtige oder falsche Lösung, die Lehrkraft muss sich in der jeweiligen Situation aber entscheiden, d. h. sie kann nicht beides zeitgleich tun.

In der Abschlussarbeit wurde vor allem betrachtet, wie oft diese Handlungskonflikte auftreten und wie schwierig den Lehrkräften eine Entscheidung fällt. Hierzu wurden den Lehrkräften einige Fallbeispiele vorgelegt. Dabei wurden insbesondere Situationen berücksichtigt, in denen sich die Lehrkraft entscheiden muss, ob sie eine Schülerin oder einen Schüler bei der Bearbeitung einer Aufgabe besonders unterstützt oder ob sie sehen möchte, zu welchen Leistungen die Schülerin oder der Schüler alleine imstande ist. Zudem wurden auch Situationen geschildert, in denen eine Lehrkraft entscheiden muss, ob sie eine Schülerin oder einen Schüler anders behandeln möchte oder nach den gleichen Regeln, die auch für den Rest der Klasse gelten.

Ziel der Arbeit war es herauszufinden, ob Lehrkräfte, die besonders viele Differenzierungsmaßnahmen treffen, diese Handlungskonflikte anders wahrnehmen als Lehrkräfte, die dies nicht so häufig tun. Unter Differenzierungsmaßnahmen werden dabei z. B. Anpassungen des Schwierigkeitsgrads von Aufgaben verstanden oder ob die Materialien den Schülerinnen und Schülern auf verschiedenen Wegen zugänglich gemacht werden (z. B. Texte zum Lesen und zum Anhören). Für die Beantwortung der Frage wurden Angaben von 181 Lehrkräften aus Nordrhein-Westfalen genutzt, die aus einer Vorab-Studie im Rahmen des INSIDE-Projekts stammen.

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Maßnahmen der Differenzierung einen Einfluss darauf haben, wie oft ein Handlungskonflikt in den geschilderten Situationen wahrgenommen wird. Allerdings bezieht sich dies nur auf Situationen, in denen es darum geht, ob ein Kind genauso behandelt werden soll wie seine Mitschülerinnen und Mitschüler. Bei Situationen, in denen es darum geht, ob ein Kind gefördert werden soll oder nicht, haben Differenzierungsmaßnahmen scheinbar keinen Einfluss. Um Lehrkräfte im gemeinsamen Unterricht zu unterstützen, könnten folglich schulinterne Absprachen und Richtlinien zu Differenzierungsmaßnahmen hilfreich sein.

Zu ihrer Abschlussarbeit sagte Johanna Pirsch: „Handlungskonflikte im Schulalltag sind ein besonders interessantes und wichtiges Thema. Durch die Erforschung dieser Konflikte und deren Wahrnehmung und Bewertung durch Lehrkräfte können Strategien entwickelt werden, um mit dieser Art von besonderen Handlungskonflikten besser umgehen zu können.“ Ihre Mitarbeit am INSIDE-Projekt hat für die studentische Hilfskraft auch persönliche Relevanz. „Für angehende Lehrkräfte wie mich haben die Forschungsfragen, die die INSIDE-Studie beantworten soll, große Bedeutung. Durch die zunehmende Heterogenität in der Gesellschaft und in den Klassenzimmern benötigen wir einen schärferen Blick auf die Gelingensbedingungen von inklusivem Unterricht.“